Meinung

Welche Rolle spielt Hochschulpolitik in der Klimakrise?

Uni bedeutet für uns mehr als „reines Wissen reinzuprügeln“: Es ist eher ein Lebensstil. Man verbringt nicht nur ein Großteil der Zeit in Bibliotheken, sondern man erlebt auch einen Ort der Begegnung, Diskurse und kulturellen Veranstaltungen. Es geht nicht nur um eine Zertifizierung für den Arbeitsmarkt, sondern ihr wollt euch ja auch persönlichkeitsbildende Kompetenzen aneignen und etwas für euer Leben und eure Selbstentfaltung mitnehmen. Aber was hat das jetzt mit Hochschulpolitik zu tun?

Über Hochschulgruppen und Hochschulpolitik kann direkt Einfluss auf das universitäre Leben genommen werden. Wir organisieren Veranstaltungen etc. für alle Studis, machen aber auch Hintergrundarbeit in unseren Gremien und dem Konvent (=das Uniparlament). Und genau hier kann Einfluss auf das Präsidium genommen werden, Vorschläge eingebracht und beispielsweise die Lehre verändert werden. Und das ist wichtig für die aktuellen gesellschaftlichen Krisen:

Ihr wisst es alle: Es gibt einen eindeutigen globalen Konsens: Die vielen eng miteinander verwobenen Krisen stellen die Menschen vor existentielle Probleme, wie Ressourcenverknappung, Klimawandel, soziale Ungleichheiten, globale Konflikte, Ernährungsunsicherheiten, wirtschaftliche Herausforderungen und viele weitere Themen. Diese bedrohen das zukünftige Leben und es bedarf großer Transformationen innerhalb der nächsten 30 Jahre, die nur durch einen grundlegenden Umbau unserer Produktionsmuster und einen fundamentalen Wandel unserer Wertesysteme und Lebensstile geschehen kann, um die Ziele der Pariser Klimakonferenz zu erreichen.[i]

Es konnte in diesem Blogartikel gezeigt werden, dass sinnvolle und wirkungsvolle Maßnahmen in der Politik mehrheitliche Zustimmung in der Öffentlichkeit brauchen, um trotz der Komplexität der Nachhaltigkeitsthematik und möglicherweise wahrgenommenen Beschränkungen handlungswirksam und umsetzbar zu sein. Es braucht für die von einigen Soziologen bezeichnete Große Transformation eine Kombination aus zivilgesellschaftlichen Impulsen (das ist unser Part) und politischer Strukturen. Wie lässt sich so ein Paradigmenwandel gestalten, dass er gesamtgesellschaftlich funktioniert?

Wir wollen hier kurz zeigen, wieso es so wichtig ist, dass wir uns einbringen. Das Bildungssystem muss als Impulsgeber für diese großen Veränderungen verstanden werden. Besonders Hochschulen spielen hier eine wichtige Rolle, weil sie für einen Wandel des Wertesystems sowohl auf individueller Ebene (bei den einzelnen Studis) sowie auch auf der kollektiven Ebene (in ihren zukünftigen Rollen in Arbeitswelt und Weltwirtschaft) fungieren. Studierende sind also Multiplikator*innen von Werten und Normen der zukünftigen Gesellschaft! Und das nicht nur im individuellen Umfeld von Freunden und Familie, sondern auch im beruflichen Kontext. Denn gerade Führungspositionen haben große direkte Einflussmöglichkeiten, Werte innerhalb ihrer Unternehmen und Arbeitsfelder weiterzugeben (und natürlich auch indirekt über den Vorbildcharakter und Status). Da diese Positionen in Deutschland besonders an eine akademische Ausbildung gekoppelt sind, haben die Universitäten großes Potential, einen nachhaltigen Wandel in der Gesellschaft anzustoßen.

Nachhaltige Entwicklung und ethische Diskurse sollen zu einer Selbstverständlichkeit in der Wissenschaft, aber auch im universitären Alltag werden.[ii] Die Universitäten haben die Möglichkeit, mit ihrer Forschung und Wissenschaft einen Teil dazu beizutragen, dass Lösungsansätze für die Probleme des 21. Jahrhunderts gefunden werden.[iii] Ein solches Umdenken können wir zumindest an der Uni Regensburg anstoßen, indem wir uns in den Gremien und Sitzungen einbringen und immer wieder dafür sorgen, dass dies ins Blickfeld der Entscheidungsträger*innen der UR gerückt wird.


[i] IPCC. Global Warming of 1.5°C.

[ii] BNE. Bildung für Nachhaltige Entwicklung.

[iii] Schmuck, Peter. Der Göttinger Ansatz der Nachhaltigkeitswissenschaft: Potentiale von Hochschulen in der Nachhaltigkeitstransformation der Gesellschaft.